Historisches Berlin – Neukölln

Ich habe mir überlegt vielleicht eine kleine Reihe zu starten, bei der ich in naher Zukunft einige Bezirke und ihr historisches Portrait vorstellen möchte. Beginnen möchte ich mit Neukölln, denn das ist wohl deutschlandweit aufgrund seines scheinbar schlechten Rufes der bekannteste Bezirk. Vorweg eine kleine Chronik

Von Rixdorf zu Neukölln

„Ich habe dem Wunsche ihrer Stadt gerne entsprochen und die Umwandlung des Namens Rixdorf in Neukölln unter dem heutigen Tage genehmigt. Den Behörden und der Bürgerschaft Neuköllns entbiete ich meinen landesväterlichen Gruß und meine Wünsche für eine fernere segensreiche Entwicklung der jungen Großstadt“, telegraphierte Kaiser Wilhelm II. vor 100 Jahren, am 27. Januar 1912, an Oberbürgermeister Curt Kaiser. In diesem Satz befindet sich quasi die Gründungsurkunde des Bezirks Neukölln. Vormals Rixdorf, den einige Leser und Leserinnen veilleicht vom alljährlichen Weihnachtsmarkt kennen, erhielt der Bezirk 1912 seinen Namen, den er bist heute trägt. Rixdorf selbst wurde bereits um 1200 von den Tempelrittern gegründet und diente diesem als Wirtschaftshof. 1318 wurde Rixdorf dann dem Johanitterorden übetragen,weshallb der Bezirk auch ein Johanniterkreuz im Wappen trägt. Schon damals befand sich der historische Ortskern am Richardplatz. Ähnlich wie den Tempelrittern, erging es auch dem Johanniterorden, die schließlich 1435 ihre Besitzungen in Brandenburg (Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf) an Berlin und Cölln verkauften.
Bereits im Jahr 1737 lässt sich eine Migrationsgeschichte nach Neukölln erkennen. Denn vor genau 275 Jahren begann die Ansiedlung böhmischer Glaubensflüchtlinge, die aufgrund ihres protestantischen Glaubens flüchten mussten. Die exulanten erbauten in Rixdorf eine eigene Kirche und siedelten sich überwiegend entlang der Richardstraße an. Lange Zeit stellten sie die Bevölkerungsmehrheit und bestimmten maßgeblich die Geschehnisse im Ort. Natürlich gab es auch Konflikte, sodass die beiden selbstständigen Gemeinden Böhmisch-Rixdorf und Deutsch-Rixdorf am 1. Januar 1874 zur Einheitsgemeinde fusionierten. Seit dem 1. Mai 1899 bildete Rixdorf einen eigenen Stadtkreis und 1903 folgte das bereits erwähnte Wappen. Neben dem Johanniterkreuz findet sich jetzt auch ein Kelch im Wappe – das Symbol der böhmischen Flüchtlinge.

Zuzug nach Neukölln

Ab 1871 stieg die Einwohnerzahl zunehmend an und erreichte 1910 knapp 252000 Menschen. Damit war sie die am schnellsten wachsende Großstadt im Deutschen Reich. Rixdorf avancierte so schnell zum Ort der Arbeiterbewegung und zum Amüsierviertel der Berliner Unterschicht. Am gesellschaftlichen und frivolen Zustand änderte sich auch nichts durch die Umbenennung der Stadt in Neukölln durch Kaiser Wilhelm II am 27. Januar 1912. Nach der Umbennung folgte im Jahr 1920 dei Eingemeindung Neuköllns mit den Dörfern Britz, Buckow und Rudow. Fortan war er der 14. Verwaltungsbezirk Groß-Berlins.


Fortsetzung folgt….

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