Das Holi OpenAir in Berlin – Ein Fest für die Ethno-Freunde?

Eigentlich ist das Holi-Fest ein religiös indisches Fest, dass den Frühlingsbeginn in Indien einleitet. In Berlin hingegegen feiern sich nach Angaben der Veranstalter 3000 Leute selbst, um den Sachzwängen ihrer Verhältnisse durch Farbpulver zu entkommen

Ähnlich wie bei vielen anderen Veranstaltungen bedient sich die Berliner-Szene der Sachen, die vermarktungstechnisch relevant sind, ihren autochthonen Charakter aber bewahren. So gehört es wohl zur neuen Feierlaune der Mittzwanziger sich ohne jeglichen Hintergrund Farbe ins Gesicht zu werfen. Einen solchen Anlass bot am vergangenen Wochenende das erste Holi Openair auf dem Gelände des Postbahnhofs in Friedrichshain. Rangapancami (Ranga = Farbe, Pancami = der 5.Tag), ist im indischen Ritus der zweite Tag des 5tägigen Festes. An diesem Tag sollen alle Schranken des Kastenwesens, des Alters, des Geschlechts und des gesellschaftlichen Status aufgehoben sein. Um das zu untermalen, feiert man ausgelassen und bewirft sich mit Wasser und gefärbten Puder, dem Gulal. Zweifelsohne ist auf einem tollen Holi-Festival in Berlin die mitgebrachte Farbe untersagt, aber Besucher und Besucherinnen wissen ja: Der Veranstalter hat für uns gegen ein nettes Entgeld Farbe besorgt. Der gute Konsument und die gute Konsumentin darf sich beim Werfen der Farbe auch wohlfühlen, besteht doch das verwendete Pulver zu 100% aus natürlichen Inhaltsstoffen. Für die aufgeklärte und umweltbewusste Jugend ein Muss.

Und gerade der eigentliche Ausgangspunkt und wesentliche Fixpunkt des Holifest – das symbolisch gesehen alle zumindest an einem Tag gleich seien – war in Berlin nicht zu finden. Unkritisches junges Publikum sah in der Veranstaltung genau das, was es auch sein sollte: Ein tolles Spaß-Techno-Event mit Ethnotouch.

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